Die strittige Grenze

Gedenktafel: links Belgien, rechts Holland
In einem internationalen Abkommen wurde am 8. August 1843 der Grenzverlauf zwischen Belgien und Holland von den beiden Staaten festgelegt. Ausgenommen davon war Grenze zwischen den rund 36 km von einander entfernten Grenzpunkten GP214 und GP215. Über die historische Definition der Grenze war man sich ja durchaus einig, niemand konnte aber genau sagen, wo in der Landschaft diese verbindlich zu ziehen wäre. In diesem Landstrich und für die Enklaven der Stadt Baarle blieb der tatsächliche Grenzverlauf ungeklärt. Eine unmittelbar nach 1843 eingesetzte Kommission arbeitete in Summe über 150 Jahre (!) lang, bis alle Streitfälle gelöst waren.
Am 26.4.1974 wurde mit einem ersten Vertrag der Grenzverlauf zwischen GP214 und GP215 geregelt. In der Stadt Baarle selbst mussten letztendlich sämtliche Grundstücke - über 5700, oft nur mehr in den aus alten Dokumenten vermutbaren Grenzen - individuell bewertet werden. 1995 war dies abgeschlossen, die Anzahl der Enklaven und deren endültige Vermessung waren offiziell besiegelt.
Am Hauptplatz erinnert heute eine im Boden eingelassene Tafel an das Grenzabkommen von 1995, welches viele Streitigkeiten beendete und gleichzeitig das historische Selbstbewusstsein von Baarle als "doppelte Stadt" stärkte. Niemand denkt heute mehr an eine Auflösung dieser kuriosen Situation, sie ist zur Touristenattraktion geworden. Die Gedenktafel liegt selbstvertsändlich direkt über einer Staatsgrenze - zur Hälfte in Belgien und zur Hälfte in Holland.


Seitenanfang

