Baarle-Hertog-Nassau: Das 2-Länder-Puzzle
Baarle ist eine kleine Stadt mit ungefähr 3000 Einwohnern. Rund 60km Luftlinie entfernt von Eindhoven und Antwerpen in den Niederlanden gelegen, inmitten einer ruhigen, gleichmäßigen Landschaft. Nichts läßt etwas Aufregendes erwarten. Und dennoch: Baarle lebt in einer weltweit einzigartigen, kuriosen Situation. Für den Besucher ein permanentes, abenteuerlich-lustiges Verwirrspiel.
In Baarle existiert alles doppelt: Kirche, Gemeindeamt, Polizei, Feuerwehr. Baarle ist nicht eine Kleinstadt, sondern zwei: Baarle-Nassau und Baarle-Hertog - und die liegen nicht nur einfach nebeneinander sondern sind grundstücksweise ineinander verschachtelt, verpuzzelt sozusagen.

Und das schon seit hunderten von Jahren, und alle lebten damit unkompliziert. Dann aber wurde im Jahr 1842 der Staat Belgien gegründet und das eine Baarle gehörte fortan dazu, während das andere bei den Niederlanden verblieb. Der Fleckenteppich, der heute Baarle quer durch Grundstücke und Häuser durchzieht, sind international gültige Staatsgrenzen!
Interaktives Luftbild:
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Vordeurregel
Wenn die Staatsgrenze mitten durchs Haus geht, entscheidet die Tür
Es gilt die sogenannte "voordeurregel": Dort wo die Tür ist, ist die jeweilige Gemeinde/der jeweilige Staat für das ganze Haus zuständig. Aber nur für Alltägliches wie Strom, Wasser, Müllabfuhr, Post. An den Hoheitsrechten, die eine Staatsgrenze bedeuten, ändert sich nichts. Diese gehen weiterhin mitten durchs Haus hindurch.

Muss die Polizei so ein Haus betreten, geht dem ein kompliziertes bilaterales Konsultationsverfahren voraus. Weils eben nicht egal ist, ob im Wohnzimmer oder in der Küche ermittelt werden muss. Es dürfen nur jene Zimmer betreten werden, die zum jeweiligen Land gehören.
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